Auf der sicheren Seite

Ein Ausstellungsprojekt von Claus Bach und Marcel Koehler, gefördert durch den Fonds neue Länder der kulturstiftung des Bundes

Erstmals in ihrer noch jungen Geschichte kooperierten die Thüringer Tafeln mit zwei Künstlern für ein Projekt der besonderen Art, welches zugleich ein Novum für alle Beteiligten darstellt: Im Foyer des Thüringer Landtages installierten Claus Bach und Marcel Köhler während der Adventszeit – der „Weichen Jahreszeit“ – eine temporäre passive Zweigstelle der Tafel. Abgeordnete und Besucher des Landtages waren eingeladen, aktiver Teil der Tafel-Bewegung zu werden – indem sie Sachspenden vor Ort in Form eigener überzähliger Lebensmittel oder gebrauchter Kleidung zur Verfügung stellen konnten. Flankiert wurde die Zweigstelle von der Fotoserie Marcel Köhlers: Sie zeigt Porträts von Bedürftigen, die sonst im Alltag nicht wahrgenommen werden und verleiht ihnen durch die Präsentation auf Lichtkästen eigene Würde

Die Serie besteht aus 20 Portraits in Lichtkästen (60x60cm)

 

Eckhard S.

 

Daniel B.

 

Roswitha B.

 

Manuela N.

 

Beate R.

 

 

 

Von den Landtagsabgeordneten waren trotz des “Tages der Ausschüsse” zur Ausstellungseröffnung lediglich ganze vier anwesend: Die Präsidentin Christine Lieberknecht, Frank-Micheal Pietzsch (beide CDU), Bodo Ramelow (PDS-Chef) und eine SPD-Abgeordete. Das Eröffnugsbuffet wurde ausschließlich vom Verein der “Blankenhainer Tafel eV.” bereitgestellt.
Im Lauf der ersten zehn Tage passierte erstmal gar nichts. Trotz optimaler Information und Organisation der Pressereferentin des Landtags und unsererseits – es gab Flyer über die Art der Spenden in den Postfächern aller Abgeordneten, ein Spendenbuch, in dem alle
Gaben anonym protokolliert wurden und ein Gästebuch – wurde anfangs fast nichts gegeben, ausgenommen die Initative der PDS: Deren Parteivorsitzender hatte medienwirksam schon zur Vernissage  einige “süße Kisten” herbeigebracht. Ansonsten erkundigte sich die Landtagspräsidentin bei ihrer Referentin täglich nach der Anzahl der Spenden und war ziemlich pikiert ob der geringen Geberbereitschaft der Abgeorneten. Letztere liefen zwar sehr freundlich grüßend, aber eilig am quasi lebendigen Stand der jeweiligen Tafelmitarbeiter vorbei. Je mehr Tage vergingen, desto stärker geriet die Situation im Foyer des Landtags zur peinlichen soziologischen Zustandsbeschreibung.
In der zweiten Hälfte der Zeit änderten sich die Dinge dann aber zusehens: In den jeweiligen Parteisitzungen war am Rande diskutiert worden, wie mit der Situation umzugehen ist, was man spenden kann usw. Abgeordnete und Politiker verloren  ihre anfänglichen Berührungsängste, suchten das Gespräch mit den Tafelmitarbeitern und uns und übergaben neben Lebensmitteln Kleidungsstücke und Geldspenden. Auch das Gästebuch wurde nun beschrieben. Am Ende der Aktion waren dann immerhin ca. 90 Sachspenden und Geldspenden im Wert von 969,35 Euro zusammengekommen. Einziger Wermutstropfen: Einige Tafelmitarbeiter verschiedener Thüringer Städte sagten ihre Mitarbeit am Projekt kurzfristig aus vermeintlichen Termingründen ab.

Das Projekt wurde von einer umfangreichen Medienresonanz begleitet.