Tafelprojekt

Auf der sicheren Seite

Ein Ausstellungsprojekt von Claus Bach und Marcel Köhler

gefördert durch den Fonds neue Länder der kulturstiftung des bundes

Tafelheft (pdf)

Erstmals in ihrer noch jungen Geschichte kooperierten die Thüringer Tafeln mit zwei Künstlern für ein Projekt der besonderen Art, welches zugleich ein Novum für alle Beteiligten darstellt: Im Foyer des Thüringer Landtages installierten Claus Bach und Marcel Köhler während der Adventszeit - der „Weichen Jahreszeit“ - eine temporäre passive Zweigstelle der Tafel. Abgeordnete und Besucher des Landtages waren eingeladen, aktiver Teil der Tafel-Bewegung zu werden - indem sie Sachspenden vor Ort in Form eigener überzähliger Lebensmittel oder gebrauchter Kleidung zur Verfügung stellen konnten. Flankiert wurde die Zweigstelle von der Fotoserie Marcel Köhlers: Sie zeigt Porträts von Bedürftigen, die sonst im Alltag nicht wahrgenommen werden und verleiht ihnen durch die Präsentation auf Lichtkästen eigene Würde

Die Portraits

Ausstellungsmaterial

Spendenbuch, Gästebuch, Interviewbuch zu den Portraits

Ausstellungsdokumentation

Resümee

Zur Vernissage am 27. November um 12.30 Uhr sprachen die Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht, ACC-Galerist Frank Motz und Beate Weber-Kehr für die Blankenhainer Tafel. Musikalisch erklangen ironische Stücke wie “Florida-Rolf”, “Yacht-Hans” und “Viagra-Kalle” der “Markus Schlaffke Band” aus Weimar. Die Vernissage war für den Ort ungewöhnlich stark besucht (ca. 100 Personen), wobei man sagen kann, daß das Publikum größtenteils aus Landtagsbesuchern bestand. Außer diversen Presse - und TV-Teams (MDR) war ein recht großes Kunst-und Studentenpublikum nebst Tafel-Mitarbeitern zugegen. Von den Landtagsabgeordneten selbst waren trotz des “Tages der Ausschüsse” lediglich ganze vier anwesend: Die Präsidentin Christine Lieberknecht, Frank-Micheal Pietzsch (beide CDU), Bodo Ramelow (PDS-Chef) und eine SPD-Abgeordete. Das Eröffnugsbuffet wurde ausschließlich vom Verein der “Blankenhainer Tafel eV.” bereitgestellt.
Im Lauf der ersten zehn Tage passierte erstmal gar nichts. Trotz optimaler Information und Organisation der Pressereferentin des Landtags und unsererseits - es gab Flyer über die Art der Spenden in den Postfächern aller Abgeordneten, ein Spendenbuch, in dem alle
Gaben anonym protokolliert wurden und ein Gästebuch - wurde anfangs fast nichts gegeben, ausgenommen die Initative der PDS: Deren Parteivorsitzender hatte medienwirksam schon zur Vernissage  einige “süße Kisten” herbeigebracht. Ansonsten erkundigte sich die Landtagspräsidentin bei ihrer Referentin täglich nach der Anzahl der Spenden und war ziemlich pikiert ob der geringen Geberbereitschaft der Abgeorneten. Letztere liefen zwar sehr freundlich grüßend, aber eilig am quasi lebendigen Stand der jeweiligen Tafelmitarbeiter vorbei. Je mehr Tage vergingen, desto stärker geriet die Situation im Foyer des Landtags zur peinlichen soziologischen Zustandsbeschreibung.
In der zweiten Hälfte der Zeit änderten sich die Dinge dann aber zusehens: In den jeweiligen Parteisitzungen war am Rande diskutiert worden, wie mit der Situation umzugehen ist, was man spenden kann usw. Abgeordnete und Politiker verloren  ihre anfänglichen Berührungsängste, suchten das Gespräch mit den Tafelmitarbeitern und uns und übergaben neben Lebensmitteln Kleidungsstücke und Geldspenden. Auch das Gästebuch wurde nun beschrieben. Am Ende der Aktion waren dann immerhin ca. 90 Sachspenden und Geldspenden im Wert von 969,35 Euro zusammengekommen. Einziger Wermutstropfen: Einige Tafelmitarbeiter verschiedener Thüringer Städte sagten ihre Mitarbeit am Projekt kurzfristig aus vermeintlichen Termingründen ab.
Das Projekt wurde von einer umfangreichen Medienresonanz begleitet.

Gästebucheinträge

„Am gestrigen 10.12.2003, dem Tag der Menschenrechte, war Zeit für Kommunal-und Landespolitiker über die Gesellschaft des menschlichen Miteinanders offiziell nachzudenken und Weichen für die soviel diskutierten Reformen zu stellen. Ein Freistaat, der sich Luxusbauten genehmigt, der von Amts wegen Entscheidungen trifft, die dem Bürgerwillen widersprechen, um Steuereinnahmen zu vergeuden, muß sich fragen lassen, warum es überhaupt Armut in diesem Freistaat des Überflusses gibt? Eine Obrigkeit, die Ihre Untertanen zu Bettlern degradiert, hat sich nicht nur von der Demokratie und dem Wählerwillen distanziert, sondern verstößt vorsätzlich gegen die Regeln des menschlichen  Umgangs, gegen das Grundgesetz:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“
Geschwister Claudia und Michael May, 11.12.2003

„Vielen Dank für das Engagement der Tafel.“
Andreas Trautvetter, CDU, 11.12.2003

„Mit der überbrachten Spende würdigt die SPD-Fraktion im Thüringer Landtag das Engagement der Tafel und wünscht weiterhin viel Erfolg bei dieser wichtigen Arbeit.“
Dr. Werner Pidde, SPD, 12.12.2003

„Die Tafel muß weiter betrieben werden.“
Günther Fulle, 12.12.2003

„Vielen Dank für das, was Sie wollen und selbst tun“
Dr. Bernhard Vogel, CDU, 12.12.2003

„Herzlichen Dank dem großen Engagement - dem Thüringer Verband „Tafeln“. Es war wichtig, dass Sie hier im Landtag waren.“
Rosemarie Bechthum, SPD, 18.12.2003

„Alles Gute für 2004!“
Johanna Arenhövel, CDU, 19.12.2003

„Seit Jahren begleite ich die segensreiche Arbeit der Thüringer Tafeln. Dank allen Helfern und Mitarbeitern, den Spendern und denen, die verteilen. Alle guten Wünsche und weiterhin viel Kraft für die Arbeit.“
Dr. Frank-Michael Pietzsch, CDU, 19.12.2003

„Eine klasse Aktion.Hoffentlich bringts auch was auf Dauer.“
Andrea Terstappen, Journalistin, 19.12.2003

„Der Thüringer Tafel-Bewegung ganz herzlichen Dank für Ihre Idee und ihren Einsatz, aktiv für Bedürftige am Ort des Thüringer Landtages tätig zu sein. Das bedeutet Anregung zum Nachdenken und inneren Gewinn für alle. Danke und weiterhin alle guten Wünsche für die Thüringer Tafeln.“
Christine Lieberknecht, CDU, Präsidentin des Thüringer Landtages, 19.12.2003

Pressespiegel:

- „Ostthüringer Zeitung“ / Länderspiegel vom 28.10.2003
- „Thüringische Landeszeitung“/ Lokalseite Weimar vom 26.11.2003
- „Thüringische Landeszeitung“ / Thüringen vom 27.11.2003
- „Thüringische Landeszeitung“ / Politik vom 28.11.2003
- „Thüringer Allgemeine“ / Feuilleton vom 28.11.2003
- „ Ostthüringer Zeitung“ / Thüringen vom 28.11.2003
- „Thüringische Landeszeitung“ / Länderspiegel vom 28.11.2003
- „MDR-Journal“ vom 27.11.2003, 19.20 Uhr (TV)
- „Unsere Neue Zeitung“ / Parlamentsreport, 1.Dezember-Ausgabe
- „Rathauskurier Weimar“ Nr.23
- „Glaube und Heimat“ / Im Blickpunkt vom 14.12.2003
- „Antenne Thüringen“ 14.12.2003 (Privatradio)
- „Unsere Neue Zeitung“ / Parlamentsreport, 2.Dezember-Ausgabe
- „MDR-Journal“ vom 23.12.2003, 19.20 Uhr (TV)
- „Thüringer Allgemeine“ / Lokalseite Weimar, 22.01.2004

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